Heute, am 11.Oktober 2026, fand in der denkmalgeschützten Kirche in Wolfkehlen - wie jedes Jahr mit einer Woche Verspätung (wegen der Kerb) - der Erntedankgottesdienst in der Gemeinde statt. Dieser wurde freundlicherweise seitens des sehr beliebten, leider am 30. September 2026 aus Altersgründen verabschiedeten Pfarrers Herwig abgehalten.
Die Wolfskehler Kirche hat eine lange Geschichte. Urkundlich erwiesen ist ihre Existenz seit 1313. Zu diesem Zeitpunkt war die Gemeinde noch katholisch. Der seitens der Katholikin Christina von Wolfskehlen um 1490 gestiftete prachtvolle Altar, den sie "aus frommer Herzensbewegung und Mehrung der göttlichen Kultur" der Kirche zum Geschenk machte, wurde 1821 an das Hessische Landesmuseum verkauft, wo man ihn heute noch bestaunen kann. Aus heutiger Sicht ein Glücksfall, denn einige Jahre später brannte die Kirche ab.
Unter Eberhard von Gemmingen wurde Wolfskehlen 1530 reformiert. Seither waren 25 Pfarrer hier vor Ort tätig. wie das beigefügte Foto dokumentiert. Einfach wird es für die gläubigen Katholiken hier nicht gewesen sein, die neue Konfession und die mit ihr verbundenen Freudlosigkeit zu akzeptieren. Sich der Obrigkeit zu fügen, wurde hier erst zu Büchners Zeiten- allerdings auch da nur von wenigen-, in Frage gestellt.
Zu Beginn des 30 jährigen Krieges wurde die Kirche 1618 neu gestaltet; 1862, wie bereits erwähnt, dann durch einen Brand zerstört und neugotisch wieder aufgebaut.
Ich staune stets über die Größe der Kirche, in der über 500 Personen Platz finden und frage mich, ob die Wolfskehler Bürger einst gläubiger waren als die Bürger umliegender Gemeinden mit wesentlich kleineren Kirchen oder vielleicht wohlhabender, weil Gottes Segen auf ihnen ruhte.
In all den genannten Zeiten gab es vermutlich jährlich einen Erntedankgottesdienst, weil man als gläubiger Mensch ahnte, dass ohne Gottes Segen nichts gedeihen kann. In all den Zeiten wussten die Menschen, dass ihr tägliches Brot bei Missernten in Frage gestellt wurde und insofern waren sie dankbar, wenn die Feldfrüchte gut gediehen, wissend, dass man das Wetter und andere Faktoren nicht beeinflussen konnte.
Wer heute einen Blick in die Vergangenheit wirft, weiß wie anstrengend es Vorgenerationen hatten, wenn sie ihre Felder bestellten, die heute von Nachfahren gierig als Bauland verscherbelt oder in Solarparks umgewandelt werden, so als gäbe es kein Morgen mehr, so als gäbe es nie mehr Versorgungsengpässe in unserer globalisierten Welt.
Zum Schluss möchte ich auf die Erntekrone hinweisen, die ein Symbol des Erntedankfestes ist, das Dank für die Früchte der Natur und die harte Arbeit des Landwirte ausdrückt, der Menschen also, denen man viel Respekt zollen sollte, lange bevor eine Hungersnot aufrüttelt.
Im Besitz guten, gesunden Bodens zu sein, ist eine Verpflichtung, der sich keiner entziehen sollte, auch neunmalkluge Zyniker nicht!
Text und Fotos
Helga König
.jpg)


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen