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Dienstag, 6. März 2012

Bericht: Hans Joachim Schädlich, Im Königtum der Widersprüche- Voltaire und der Preußenkönig, Mittwoch, 22.02.12, Literaturhaus Frankfurt

Am Mittwoch, den 22.02.12  fand im Literaturhaus  in Frankfurt/Main die Veranstaltung „Hans Joachim Schädlich- Im Königtum der Widersprüche- Voltaire und der Preußenkönig" statt. Die Moderation oblag dem Literaturkritiker Helmut Böttiger.
Schädlich las aus  seinem minimalistisch gestalteten Text "Sire, ich eile - Voltaire bei Friedrich II" sehr eindrucksvoll vor und legte dabei den Schwerpunkt auf jene Seiten, in denen er von Voltaires Aufenthalt in Frankfurt schreibt. Dort nämlich ließ Friedrich II. Voltaire festsetzen.
Der Schriftsteller machte keinen  Hehl daraus, dass er Friedrich II. nicht mag, Voltaire aber sehr schätzt und begründete dies leicht ironisch. 
Im Dialog mit Böttiger plauderte er  darüber, wie er die Beziehung der beiden sieht  und berichtete auch über die Liebe Voltaires zur Mathematikerin  Èmile du Chatelet.
Schädlich erläuterte  sehr gut nachvollziehbar seine minimalistische Vorgehensweise beim Schreiben der Novelle und beeindruckte  durch seine Gelassenheit im Umgang mit dem Thema und der Tatsache, dass er  den Zauber, den die vermeintliche Freundschaft zwischen dem Preußenkönig und dem   französischen Philosophen umgibt, ein für alle Mal als  nicht haltbare  Wunschvorstellung entlarvt hat.
Helga König

Sonntag, 19. Februar 2012

Streitfall- Autoren in der Kontroverse XLIX, Freitag 17.02.12, Literaturhaus Frankfurt

Am Freitag, den 17.02.12 um 19.30 Uhr fand im Literaturhaus Frankfurt die Veranstaltung "Streitfall- Autoren in der Kontroverse XLIX" statt. Die Diskutanten waren Tilmann Spengler, Autor des Buches "Wahr muss es sein, sonst könnte ich es nicht erzählen", Franziska Augstein, Micha Brumlik und Martin Lüdke. Die Gesprächsleitung hatte Peter Kemper inne.


Der erste Diskussionsgegenstand war natürlich Spenglers Buch, dem fünfzehnminütige Fernsehsendungen des BR-Alpha zugrunde liegen. Dort versucht Spengler offenbar jeden Montagabend einem, wie er im Vorwort schreibt, "erinnerungswilligen Publikum", ein paar Glücksfälle der Literatur ins Gedächtnis zu rufen. Im Buch wird eine Vielzahl der Glücksfälle wiedergegeben. Über einige dieser Glücksfälle unterhielt man sich angeregt. Eine kontroverse Diskussion fand allerdings nicht statt, weil alle Podiumsteilnehmer das Buch einhellig mochten.

Spengler erwies sich als ein überaus ironischer Zeitgenosse, dem man gerne zuhört, weil er niveauvoll sein Publikum zu amüsieren versteht.

Henning Marmullas Studie "Enzensbergers Kursbuch" ist eine Doktorarbeit. Die ergrauten 68er Diskutanten wussten sehr viel über alte Kursbuchzeiten zu berichten und erzählten Anekdotisches auch zu Enzensberger, wohingegen die weitaus jüngere Franziska Augstein ihre Erinnerungen an den Dekogegenstand "Kursbuch" im elterlichen Hause wiedergab.

Marmullas Studie zeigt wie es nach 1965 zur Politisierung der Literatur kam. Lesenswert soll die Studie allemal sein, aber eben in der Weise wie eine Doktorarbeit.

Die Autobiographie Mills führte zu der Diskussion, ob John Stuart Mill wirklich ein Liberaler gewesen ist. Brumlik bezweifelte dies und belegte seine Zweifel an Textstellen. Er verortet Mill in die sozialistische Ecke. Interessant bei allem ist die kindliche Entwicklung des Wunderkindes, der im Alter von drei Jahren bereits griechisch lesen konnte,  sehr stark von seinem Vater gefördert wurde und ohne Mutter sowie ohne kindliche Freunde aufwuchs. Pädagogisch nicht unbedenklich, nicht nur in den Augen des Pädagogikprofessors Brumlik.

Alles in allem ein gelungener Abend, der neugierig auf die vorgestellten Bücher machte.