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Montag, 15. Oktober 2012

Bericht von der Buchmesse Frankfurt 2012

Am Mittwoch, dem 10.10. 2012  begann für mich meine Reise durch die Bücherwelten der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Als ich das Haus verließ, war ich sehr neugierig, wer in diesem Jahr auf dem Weg zum Messegelände als erste Person meinen Weg kreuzen würde. Ich werte diese erste Person immer als eine Botschaft. Die diesjährige Botschaft lautete: „Sei gelassen und entspannt. Alles wird gut.“ 

Es war der Benediktinermönch P. Dr. Albert Schmidt, mit dem ich mich angeregt auf dem Weg zum Bücherparadies unterhielt und der mir berichtete, dass er unterwegs sei zu Schwester Philippa Rath, einer Benediktinerin der Abtei St. Hildegard, Rüdesheim/Eibingen, die Wissenswertes zu Hildegard von Bingen an einem Messestand berichten werde. Der Mönch erzählte mir, dass er ein Studienfreund von Anselm Grün sei und dass dieser am 12.Oktober auf der Messe sein jüngstes Werk vorstellen werde. 

Motiviert durch Dr. Schmidt, besuchte ich in der Folge beide angekündigten Veranstaltungen und durfte mich am Freitag dann einem der schönsten Momente meines bisherigen Lebens erfreuen, denn ich hatte Gelegenheit den von mir hochverehrten Benediktinermönch Anselm Grün persönlich kennen zu lernen. Bevor ich Schwester Philippa Rath besuchte, um Neuigkeiten zu Hildegard von Bingen zu erfahren, suchte ich zunächst den Pressebereich auf, um mich kundig zu machen, welche Veranstaltungen ich zwischen dem 10. und dem 13.10. 2012 auf der Buchmesse besuchen werde. Ohne Vorinformation läuft man wie ein blindes Huhn durch die Messehallen. 

Klar war, dass ich mich samstags, von zwei Koch-Events abgesehen, nur im Kunstbuchbereich aufhalten würde, weil dort am Tag der offenen Tür die Masse bestimmt nicht für Gedränge sorgt. An allen anderen Tagen lag mein Schwerpunkt auf Halle 3.0, 3.1 und 4.1. Ich entschloss mich am Mittwoch zunächst zu einem Rundgang, versuchte mir einen Überblick zu verschaffen, welchen Verlagen es noch gut geht und welche durch Messestandverkleinerungen auffielen. 

An den Händlertagen liegt der Schwerpunkt auf Geschäften. Die Verlage werden von ihren Geschäftskunden besucht, Bestellzettel werden ausgefüllt. Es herrscht Hektik. Je freundlicher die Verlagsangestellten lächeln, umso erfreulicher sind vermutlich die Zahlen. 

Autoren lesen all überall und werden an den Händlertagen primär von Journalisten besucht, die eifrig Notizen machen, so auch geschehen am Stand der ZEIT als Sascha Lobo und Kathrin Passig zu ihrem Buch "Internet- Segen oder Fluch" Stellung nahmen, ein Buch, das mich sehr neugierig macht und dass ich demnächst rezensieren werde. Sascha Lobo fiel mir weniger durch seinen roten Hahnenkamm als durch seine Intelligenz auf. Ein brillanter, hellwacher Denker, dem man zutraut auch einen Nagel in die Wand klopfen zu können. 

Dem Kommunikationstheoretiker Prof Dr. Norbert Bolz, umringt von vielen sehr betagten Männern, habe ich später nur eine Weile zugehört und eigentlich auch nur, um mich zu vergewissern, ob er tatsächlich so tickt, wie seine Twitter-Sentenzen es vermuten lassen. Ich vermochte ihm nicht so aufmerksam und neugierig zuzuhören wie Sascha Lobo, weil mich der Habitus dieses extrem gebräunten Mannes ablenkte und ich darüber nachdachte, welches Bild dieser Theoretiker von sich nach außen bringen möchte. Bolz ist mir übrigens im Internet durch vorurteilslastige Sätze wie etwa:“Die praktischen Menschen sind einfach unfähig zu denken,“ unangenehm aufgefallen. 

Bei Rolf Dobelli war ich kurz im Lesezelt als er, wie immer charmant, seine getAbstrakt –Preise verteilte und wie immer eine gute Figur dabei machte. 

Roger Willemsen traf ich an jenem Tag bei den S. Fischer Verlagen und hatte die Gelegenheit ihm persönlich zu seinem neuen Buch zu gratulieren. Später realisierte ich am Stand Fotos von der Preisverleihung für die Sieger des 11. Bücher-Laufs vom 16.9.2012 rund um den Lohrberg in Frankfurt und konnte mich davon überzeugen, dass Menschen, die Sport treiben in der Regel sehr freundlich und ausgeglichen sind.

Die wichtigsten  Ereignisse des darauf folgenden Tages waren für mich die Eindrücke am „Blauen Sofa“. Martin Suter wirkte auf mich sehr depressiv. Ich wünsche ihm, dass er den Tod seines Kindes seelisch verarbeiten kann. Prof Dr. Jean Ziegler erschien so engagiert als würde er seinen 20. Geburtstag demnächst feiern. Sein Buch habe ich gerade gelesen und rezensiert und konnte mich davon überzeugen, dass Ziegler voll hinter seinem Buch steht. Dass ich Gelegenheit hatte, kurz mit ihm zu sprechen, freute mich natürlich besonders. Ein beeindruckender Kämpfer für das Gute! 

Meinen Gatten traf ich übrigens auch auf der Messe, aber nur kurz. Er sprach dort mit Prof. Dr. Gertrud Höhler und ich nahm  einige Bilder auf. Dann trennten sich unsere Wege wieder, weil man die Buchmesse, wenn man sich wirklich auf sie einlassen möchte, besser allein besucht. Prof. Dr. Gertrud Höhler ist übrigens eine ganz ungemein nette, charmante Dame mit viel Esprit. 

Sehr schön war die Neuseeland-Halle gestaltet. Große Wasserflächen und ein Vollmond sorgten für mystische Stimmung. Mit diesem Eindruck verließ ich an jenem Tag die Messe, um am Abend auf dem Empfang der S. Fischer Verlage viele schöne Eindrücke zu sammeln und dort auch Reinhold Messner zu begegnen, der mich schon immer fasziniert hat aufgrund seiner Disziplin und seines Durchhaltevermögens. Derzeit lese ich das Buch des Philosophen Robert Pfaller, das ich nun umso lieber studiere, weil es sich  bei dem Autor ganz offensichtlich um einen sehr freundlichen, liebenswerten Menschen handelt, wie ich erfahren durfte. Bei den vielen Besuchern, die zu dem Empfang erschienen sind, es war quasi brechend voll, war die Dichte der Autoren übrigens besonders gross.

 Am Freitag lernte ich Pater Anselm Grün persönlich kennen und sah, wie ein Mensch von innen strahlen kann, der das absolut Gute verkörpert und es jede Minute lebt. Mitgefühl, Freundlichkeit und auch Demut sind bei diesem Mönch in einem überwältigenden Maße spürbar. Das hat mich zutiefst beeindruckt. Anselm Grün stellte ein Buch über Wein vor, das ich demnächst rezensieren werde. Ein Interview wird zum Buch dann auch erfolgen. Nachdem der Mönch sein Werk vorgestellt hatte, sprach die Deutsche Weinkönig. Dann wurde Brot aus der Klosterbäckerei gereicht und Weiß- sowie Rotwein kredenzt. Ein wirklich gelungener Event auf der diesjährigen Buchmesse. 

Martin Walser sprach über seinen neuen Roman „Das 13. Kapitel“ , dabei verdeutlichte er, dass  manche Rezensionen, die ich zwischenzeitlich zum Roman gelesen habe, Fehlinterpretationen sind. Walser beeindruckte mich durch seine überaus angenehme Stimme, mit der er viel über Verrat sprach, das große Thema seines gelungenen Romans.

 Die "ARD-Radionacht der Bücher" war wirklich erneut einer der Höhepunkte der Frankfurter Buchmesse. Live in und aus dem Hr-Sendesaal stellten Autoren und Autorinnen ihre aktuellen Neuerscheinungen vor. Durch den Abend führten Ruth Fühner und Dr. Peter Zudeick. Es führt zu weit, auf die einzelnen Autoren im Rahmen des Berichts näher einzugehen, deshalb hier der entsprechende Link: http://www.hr-online.de/website/specials/buchmesse2012/index.jsp?rubrik=76477&key=standard_document_45910201 Mein besonderes Lob gilt Dr. Zudeick, der die Sendung brillant moderiert hat. Hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang auf die Trägerin des diesjährigen Deutschen Buchpreises Ursula Krechel. Ich habe mich sehr gefreut, mit meiner Vermutung am Abend der Short-List richtig gelegen zu haben. Eine wunderbare Schreiberin, die den Preis verdient hat. 

Der  Samstag begann mit Liedern des Barden Klaus Hoffmann, bevor ich mich den Köchen zuwandte. Die Kochevents seitens Cornelia Poletto und Alfons Schuhbeck waren sehr besucht. In Verbindung mit den vielen Kochbüchern, die auf der Messe angeboten werden, halte ich die Darbietung der praktischen Umsetzung für wichtig und gelungen. Da für diese Kochevents in Halle 3.1. eine bestimmte Fläche vorgesehen ist, werden asketische Leser auch nicht durch Küchendüfte gestört. Das ist gut konzipiert. 

Wie schon eingangs erwähnt, war am Samstag fast kein Durchkommen an den Ständen, so dass ich die Zeit nutze, um mich ausgiebig mit Neuerscheinungen der Kunstbuchverlage zu befassen. Wieder einmal bin ich begeistert von dem, was mich jetzt im Herbst und Winter erwartet. 

Die Furcht vor den elektronischen Medien war dieses Jahr kein Thema mehr auf der Messe. Man hat gelernt damit umzugehen und seitens der Verlage wird versucht, diese sinnvoll für sich zu nutzen. 

Als ich die Halle 4.1. verlassen wollte, bemerkte ich eine Menschenansammlung am Messestand des Suhrkamp-Verlages. In Windeseile verbreitete sich die Info, dass Bundespräsident Joachim Gauck überraschend kommen werde. Der Schriftsteller Stephan Thome überreicht ihm seinen neuen Roman. Währenddessen waren die Mikrophone ausgeschaltet und Gauck war von seinen hünenhaften Bodyguards umstellt. Hier einige Fotos zu knipsen war alles andere als einfach, doch irgendwie hat es dann doch noch geklappt. Mit der intellektuellen Neugierde, mit der sich unser Bundespräsident Bücher ansah, wurde mir erneut bewusst, welch gute Wahl man mit Gauck getroffen hat. 

 Für mich hat sich die Messe mal wieder gelohnt. Das Paradies auf Erden ist für mich dort und sonst nirgendwo.

Annex: Die Bilder zu diesem Bericht sind im folgenden Beitrag   eingestellt.

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