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Montag, 13. Juli 2015

Bericht über die Geburtstagsfeier des #Dalai_Lama in Wiesbaden, 12.7.2015

 Dalai Lama
im Kurpark Wiesbaden, 12.7.2015
Gestern feierte seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama im Kurpark in Wiesbaden gemeinsam mit etwa 7000 Gratulanten seinen 80. Geburtstag. Der Friedensnobelpreisträger residierte im Fünf-Sterne-Luxus-Hotel "Nassauer Hof", der an eine Festung erinnerte.

Deutsche Polizeikräfte und asiatische Sicherheitsleute sorgten für eine Atmosphäre, die dort Gedanken an Spiritualität nicht zuließen. 

Vor dem Nassauer Hof demonstrierten über Stunden Hunderte von Personen, darunter viele buddhistische Mönche und skandierten gebetsmühlenartig die gleichen Sprüche, aus denen hervorging, dass der Buddhismus durch Lügen zu einem politischen Geschäft gemacht werde. Sie verteilten Flugblätter und Informationsmaterial, während der eingetragene Verein  "Freund für einen Freund e.V." auf der Terrasse des Hotel-Restaurants "Orangerie" es sich fast provozierend gut gehen ließ und dadurch Wasser auf die Mühlen der Protestierenden  gab. Nicht sehr weise.

Terrasse des Hotels Nassauer Hof
Bildmitte: Roland Koch (ehem.
Ministerpräsident  Hessens)
Die Kulisse, die ich sah, gefiel mir nicht. Sie wurde dem Geist des Buddhismus nicht gerecht.

Die Sicherheitsvorkehrungen im Kurpark waren aberwitzig. Teilweise stiegen Leute über Zäune, um auf das Parkgelände zu gelangen, während am Eingang absurd pingelige Kontrollen durchgeführt wurden, die man so selten erlebt und die mit all dem, was man in Dalai Lamas Büchern liest- ich habe viele davon auf "Buch Kultur und Lifestyle" vorgestellt- nichts gemein haben.

Hier in Wiesbaden wurde latente Angst und Unwohlsein produziert, ungewöhnlich für diese normalerweise gelassen wirkende Landeshauptstadt und kontraproduktiv für den Geist des Buddhismus.

 Demonstranten vor dem "Nassauer Hof".
Im  Vordergrund Claudia Roth auf
dem Weg zum Kurpark
Ich selbst hatte Gelegenheit einen jungen Menschen kennenzulernen und mir dessen Lebensgeschichte anzuhören. Er erzählte mir von seinem Vater, der ein Jahr in Asien lebte, um buddhistischer Mönch zu werden. Der junge Mann war schwerbehindert, erweckte in mir den Eindruck, dass er sein Leid überwunden hatte. Seine offene Herzlichkeit und Gelassenheit berührte und versöhnte mich mit der Hektik, die ich vor dem Nassauer Hof erlebte. In diesem freundlichen Menschen zeigte sich jenes buddhistische Denken, das die Aura des Nassauer Hofs an diesem Tag vermissen ließ.

Im Kurpark dann saß der Dalai Lama auf der Tribüne im hinteren Bereich abgeschirmt von vielen Sicherheitskräften auf einem Sessel, der an einen Königsthron erinnerte, umgeben von orangefarbenen Gladiolensträußen, deren Bedeutung Kraft und Liebe aber auch immenser Stolz sein soll.

 Claudia Roth
Bevor seine Heiligkeit etwas sagte, sprachen Politiker Begrüßungsworte. Dabei überzeugte Claudia Roth als einzige, weil Begeisterung glaubhaft aus ihr sprach. Bei aller Theatralik: Diese Frau hat viel Herz.

Der Dalai Lama appellierte an das Mitgefühl, an Toleranz und an Liebe als zentralen Wert, appellierte zudem an den Geist der Einheit Europas, gerade jetzt in der Krise.

Er berichtete von einem Einsiedler, der ihm in einem Kloster in Südfrankreich begegnet ist und der offenbar die reine Liebe lebte. Von ihm war er sehr angetan.

Werte zu entwickeln und einen Egoismus, der sich negativ gegen andere richte, zu minimieren, stattdessen positives Selbstbewusstsein zu kultivieren, um dessen Kraft für die Gemeinschaft einzusetzen, darum gehe es im Leben.

Gefallen hat mir als der Achtzigjährige, während andere gesprochen haben, immer wieder  für Sekunden vorbeilaufende Kinder beobachtete und sich augenscheinlich über die kleinen Hoffnungsträger freute.  Das waren Momente, wo er ganz bei sich und er selbst war.

 Die Tribüne
Man kann nur hoffen, dass bei den Herren Politiker und den Managern im feinen Zwirn (durch ein ungewöhnliches Accessoire- ein buntes Perlenkettchen am Handgelenk- für den Geburtstag aufgepeppt), die Botschaften des Dalai Lama angekommen sind und sie mit dem Ablegen dieser buddhistischen Devotionalie gestern Abend nicht auch zugleich die Botschaften ad acta gelegt haben.

Meine Erwartungshaltungen am gestrigen Tag wurden leider nicht erfüllt. Ich erhoffte Spiritualität und wurde mit Machtgebaren konfrontiert, das bekanntermaßen der Totengräber von Spiritualität ist. Am Abend las ich dann erst einmal ein Buch des Dalai Lama und sah ihn im Geiste den Kindern zulächeln.

Helga König

Kommentare:

  1. Schön beobachtet, liebe Helga! Mich wundert allerdings, warum der Dalai Lama so ein Aufhebens und Gebahren um sich herum zulässt...

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    1. Danke, liebe Johanna. Das wundert mich auch. Vielleicht benötigt man die Weisheit des Alters um damit dann auch noch gelassen umzugehen:-))
      Beste Grüße Helga.

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  2. Gut, dass Du den Finger in die Wunde gelegt hast Helga. Aus den einst ruhigen und kaum bemerkten Besuchen des Dalai Lama ist inzwischen eine Nebelschau von "Wichtigen" geworden, die sich solche Veranstaltungen etwas kosten lassen. Sicher wäre der Sinn eines solchen Besuches eher getroffen, würde man dieses Geld in Projekte für Kinder stecken, und ich könnte mir vorstellen, dem Dalai Lama gefiele dies ebenfalls.

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