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Sonntag, 18. Oktober 2015

Helga König: Bericht von der #Frankfurter_Buchmesse 2015

Helga König am Messestand von Israel
Auf dem Weg zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse waren meine Gedanken bei dem deutschen Journalisten, Literaturkritiker und Autor #Hellmuth_Karasek, der in den letzten Jahren stets einen neuen Band der wunderbaren Buchreihe "Briefe bewegen die Welt" herausgegeben hat. Diese Serie kann man nicht genug loben, weil sie den Lesern viele namhafte Persönlichkeiten auf subtile Weise sehr nahe bringt. 

Hellmuth Karasek und #Frank_Schirrmacher hatten im Herbst 2013 auf der Trauerfeier #Marcel_Reich_Ranickis in Frankfurt auf dem Hauptfriedhof Reden gehalten. Es war nicht zu erwarten, dass diese beiden #Intellektuellen ihm nur wenig später in jene andere Welt, die wir nicht kennen, folgen sollten. Doch wir wissen, dass alles seine Zeit hat, auch die Intellektualität und vielleicht aus diesem Grund gerade jetzt, die intellektuellen Vordenker sich von hier verabschieden. 

Jahr für Jahr gehörten Karasek und Schirrmacher zu den Menschen auf der Buchmesse, die keiner übersah, weil beide sehr präsent freiheitlichen Geist ausstrahlten, der von je her das vorrangige Kennzeichen dieser Großveranstaltung gewesen ist. 

Doch ist dies noch immer so? 

 Griechisch-orthodoxe Mönche 
Erstmals überhaupt wurden am Eingang der Messehallen die Taschen kontrolliert.

Schade, dass nicht jedem bewusst ist, dass der freiheitliche Geist Andersgläubige und Andersdenkende niemals bedroht, sondern stattdessen die Vielfalt akzeptiert, ja diese sogar bewusst fördert. Das bedingungslose Ja zur Vielfalt auf der Buchmesse ist es, dass Frankfurt über die Jahrhunderte hinweg Weltläufigkeit gelehrt hat. 

Der freie Geist geht nicht in Resonanz mit Ignoranz. 

Im Gegensatz zu den Vorjahren waren an den Händlertagen nicht nur Journalisten, sondern auch Blogger zugelassen. In dieser Erweiterung zeigt sich eine veränderte Gewichtung. Die Verlage und der Buchhandel nehmen die Bloggerszene mittlerweile sehr ernst, nicht zuletzt weil diese ihnen geholfen hat und noch immer hilft, den Kopf aus der Schlinge mit Namen "Amazon" zu ziehen. 

 Buddhistischer Mönch
In den sozialen Netzwerken laufen alle Drähte zusammen. Dabei ist Twitter zwischenzeitlich das wahre Zentrum der Vervielfältigung von Nachrichten geworden. Mittlerweile haben auch Printmedien das verstanden und sind nun genau wie die Blogger in den sozialen Netzwerken sehr aktiv, wenn es um den Transport ihrer Texte geht. 

Das Gastland der Frankfurter Buchmesse 2015 hieß Indonesien. Unmittelbar vor der Messe habe ich mit zwei indonesischen Autorinnen auf "Buch, Kultur und Lifestyle" Interviews gemacht. Eine der Interviewpartnerinnen ist die Hinduistin Ida Ayu Agung Mas. Diese unerschrockene Freiheitskämpferin ist die erste Frau, die es schaffte, Senatorin von Bali zu werden. 

 Verlegerin aus Indonesien
In ihrem Buch erfährt man, dass #Indonesien ein Riesenreich von über 17 500 Inseln darstellt. Diese erstrecken sich von #Sumatra über #Borneo, #Java, #Bali und die #Molukken bis nach Neuguinea. 90% der 250 Millionen Indonesier sind Muslime, d.h. in Indonesien leben mehr Moslems als in allen arabischen Staaten zusammen. Die Verfassung von Indonesien basiert auf der sogenannten #Pancasila, "Einheit der Vielfalt". Ziel ist es, damit aus dem multi-religiösen Archipel eine staatliche Einheit zu schaffen, in der sich die Interessen aller Indonesier wiederfinden. 

Ich erwähne dies, weil die Geisteshaltung  "Einheit der Vielfalt" nach meiner Meinung von allen Menschen dieser Erde übernommen werden sollte, denn sie allein macht uns zu Weltbürgern, die Andersgläubige und Andersdenkende ganz bewusst akzeptieren können, weil besagter geistiger Überbau unmissverständlich den Weg weist. 

Dass Indonesien im Flüchtlingsjahr 2015 Gastland der Frankfurter Buchmesse wurde, werte ich als Botschaft und Votum für "Pancasila" überall auf unserer Erde. 

PA Dr. Anselm Grün, Helga König
Die erste Messeveranstaltung, die mein Gatte und ich am Donnerstag, den 15. 10. 2015 gemeinsam besuchten, war die Lesung Anselm Grüns zu seinem Buch "Gier- Ausweg aus dem Streben nach mehr." Das Buch habe ich vor einiger Zeit auf  "Buch, Kultur und Lifestyle" vorgestellt und mit Pater Anselm auch ein Interview dazu realisiert. 

Während der Lesung machte der Benediktiner deutlich, dass Menschen, die sehr gierig sind, keinen Zugang zu sich selbst haben, es aber genau dieses Tor sei, das Gier in all ihren Erscheinungsformen auflöse. 

 PA Dr. Anselm Grün sprach über die
Gier
Wer Pater Anselm live erlebt hat, weiß wie ein Mensch, der frei von Gier ist, von innen heraus strahlt und ahnt, dass Friedfertigkeit den tatsächliche Gegenpol von Gier verkörpert. Diesen jedoch müssen sich alle Menschen stets aufs Neue erarbeiten.

Nach der Lesung, die ein gelungener Einstieg in die Buchmesse 2015 war, ließ ich im Dialog mit meinem Gatten die Buchmesse erst einmal auf mich wirken, indem wir durch einzelne Hallen schlenderten. Man muss die Messe facettenreich erspüren, um zu begreifen, was sie als Jahresbotschaft übermitteln will. Es genügt nicht, einige Dutzend Bücher durchzublättern und Hunderte von Titeln im Vorbeigehen halbbewusst aufzuschnappen. Man muss sich einzelne Stände und die Präsentationen  dort genauer anschauen. Dann erst kann man mit der Analyse beginnen. 

 Peter J. König , Sebastian Copeland
Am Stand des Verlages teNeues, dessen hochwertige Bücher wir immer wieder gerne vorstellen, hatte mein Mann Gelegenheit sich intensiv mit dem berühmten Fotograf, Polarforscher und Umweltschützer #Sebastian_Copeland zu unterhalten, dessen Werk #ARCTICA er gerade rezensiert hat. Demnächst wird es zu diesem Buch dann wohl auch noch ein Interview geben. Es dürfte spannend werden, denn  Copeland ist ein Fotograf mit politischer Aussagekraft. Der Umweltaktivist hält nämlich Vorträge vor renommierten Institutionen wie den Vereinten Nationen und dem World Affair Council. Dort warnt er vor der systematischen Veränderung in den Polarregionen. 2015 wurde Sebastian Copeland in die TOP 50 der weltgrößten Abenteurer aufgenommen.

 Andrea Rehn (Pressechefin von  teNeues)
 Peter J. König
Die Bilderwelt von teNeues erweist sich immer wieder als einer der Höhepunkte der Buchmesse und verdeutlicht, dass im Zeitalter der Bilder Bildbände von Betrachtern bewusster wahrgenommen werden, weil ihre Aussagekraft nicht selten weitaus größer ist als jene wortreicher, inhaltsschwacher Texte. 

#Helge_Schneider sah ich eher zufällig am Stand von Kiepenheuer@Witsch. Er hat wohl anlässlich seines 60. Geburtstags ein Buch verfasst. Ich habe selten einen solch herzlichen Menschen gesehen. Sein Lachen ist einfach hinreißend und seine Augen sprühen vor Intelligenz, die sich mit Humor gepaart hat.

Helge Schneider
Das Foto, das bei KIWI entstanden ist, möchte ich den Lesern von "Buch, Kultur und Lifestyle" nicht vorenthalten. Irgendwo las ich, dass Helge Schneider nicht nur ein begnadeter Musiker, Kabarettist, Unterhaltungskünstler, Schauspieler und Schriftsteller sei, sondern auch ein Clown. Wenn ein Clown ein Mensch ist, der uns sofort zum Lachen bringt, dann ist dieses Multitalent ein ganz besonderer Clown.

Viele Messestände waren kleiner als in den Vorjahren. Der Schweizer Verlag Diogenes blieb der Frankfurter Buchmesse sogar völlig fern,  aus Kostengründen wie es hieß.

Bei den großen Verlagen wie S. Fischer, Suhrkamp, dtv, Hanser, vor allen natürlich Randomhouse war wie gewohnt Auftrieb angesagt. Eine Fülle wunderbarer Bücher warten darauf, gelesen zu werden.  Krempeln wir also die Ärmel erneut hoch und folgen Reich-Ranickis  Vermächtnis: "Lesen, lesen, lesen!"

 Zu Gast am israelischen
Messestand
Über die vielen Veranstaltungen auf der Buchmesse an dieser Stelle zu schreiben, ist ebenso unmöglich, wie sie alle zu besuchen.

Wir besichtigten ganz gezielt  in Halle 6 den Stand von Israel. Dort lud man um 16 Uhr zum Empfang und erfreute die Gäste mit israelischen Weinen  des Weinimporteurs #Ron_Rieß. Wir haben dieser Tage gerade 6 Weine von ihm auf "Buch, Kultur und Lifestyle"  vorgestellt und waren insofern nicht überrascht, dass die Autoren und Journalisten am Stand von diesen Weinen ebenso begeistert waren, wie wir es sind.

 Helga König, Peter Schmidt
Gefreut haben wir uns, unseren Freund  Peter Schmidt aus Paris wieder zu treffen, an dessen Stand man sich in spirituelle Bücher vertiefen kann.

Peter Schmidt zählt zu jenen Menschen auf Facebook, die durch ihre offene Herzlichkeit zeigen, dass die sozialen Netzwerke eine wirkliche Bereicherung für die zwischenmenschliche Kommunikation darstellen können.

Der Ausklang des Buchmessennachmittags  bei dtv führte zu einer erneuten Begegnung mit dem Schweizer Autor #Nicola_Bardola, dessen Buch "Yoko Ono" ich 2013 rezensiert habe, nachdem wir uns bei der Ausstellungseröffnung zu Yoko Onos Werken in Frankfurt persönlich kennen gelernt hatten. 

 Peter Schmidt, Peter J. König
Beim Empfang am Stand der Verlage Malik, Piper und National Geographic drängten sich die Gäste hauptsächlich dorthin, wo die schönen Bildbände von National_Geographic ausgestellt waren und bestätigten erneut, dass in Bildern neuerdings Botschaften gesucht werden, die man in Texten offenbar nicht mehr zu finden glaubt. 

Der Empfang der S. Fischer Verlage für Autoren und Freunde fand in diesem Jahr im Frankfurter Literaturhaus statt und erwies sich als das abendliche Highlight der diesjährigen Messe. Es dauerte nicht lange bis  in allen Räumen die Gäste eng aneinander stehend, angeregt miteinander plauderten.

Oberbürgermeisterin a.D. Petra Roth
im Gespräch mit weiteren
Freunden des Hauses S. Fischer
Das ließ mich  an den Gründer Samuel Fischer denken, der sich über die Gastfreundschaft des Hauses S. Fischer und die zufriedenen Gäste gewiss sehr gefreut hätte. Gefreut hätte sich Samuel Fischer bestimmt auch über das Konterfei des ostpreußischen Schriftstellers Siegfried Lenz, das im Literaturhaus zu sehen ist. Reich-Ranicki schreibt in seiner Biographie über Lenz und betont dessen Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft ihm, dem polnischen Juden gegenüber, der aus dem Warschauer Ghetto, aller Habe beraubt, dem Tod durch die Nazis entkommen war. 

Samuel Fischer wurde 1934 in Berlin auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee beigesetzt. Gottlob musste er den 9. November 1938 und was dann folgte nicht mehr miterleben. 

Die S.Fischer Verlage stehen für das intellektuelle Frankfurt und für den freien Geist, der die tolerante Vielfalt schätzt.

 Helga König, Arno von Rosen
Am Freitag dann traf ich den Autor Arno von Rosen, den ich bislang nicht persönlich kannte, der allerdings auf "Buch, Kultur und Lifestyle" schon seit geraumer Zeit sehr lesenswerte Gastkolumnen schreibt. Mit dem passionierten Hobbykoch wollte ich mir einen Eindruck von den jüngsten Publikationen im Kochbuchbereich verschaffen und  den Zeitgeist in diesem Segment erkunden. 

Nicht wenige Stände dort waren kleiner geworden, einige Verlage betrieben gemeinsam mit anderen Stand- Kooperationen. Auch wurde nicht mehr so viel an einzelnen Ständen gekocht wie früher. Nur hin und wieder nahm man interessante Aromen wahr, vor allem bei den Indonesiern. 

 Indonesien kocht
Weit mehr als 350 Kochbücher habe ich bereits rezensiert und sehe einen Trend, der hin zu Food- Bloggern führt, die neuerdings immer öfter auch Kochbücher schreiben. Von ihnen erwartet man sich offenbar neue Ideen, die den Profis möglicherweise im Laufe des Erfolgs abhanden gekommen sind. Vielleicht aber auch lässt sich mit  Bloggern leichter verhandeln als mit den alten Hasen, deren Preise sich durch ihren Marktwert aus dem Gestern definieren. 

Im Kunstbereich gab es wie immer viel zu sehen. Neuheiten aus dem #Prestel_Verlag habe ich bereits vorgestellt, #Hatje_und_Cantz sowie #Hirmer folgen in den nächsten Wochen. Besonders interessant ist übrigens ein Buch aus dem #Callwey_Verlag mit dem Titel  "Farbige Skulpturen- Bedeutung, Fassung Restaurierung."  Auch dazu werde ich recht bald eine Rezension verfassen. 

Gastland Indonesien
Die Halle des Gastlandes Indonesien vermittelte gestalterisch ein Mix aus Gewürzen, Büchern und lichtspendenden, weißen Papierlampions.

Diese Lampions mögen vielleicht für die vielen Inseln Indonesiens gestanden haben, vielleicht aber auch für „Pancasila“…., einer Geisteshaltung, die für mich die Botschaft der Frankfurter Buchmesse 2015 war.

 Thomas Gottschalk, Helga König
Foto: Arno von Rosen
Dass Arno von Rosen zum Ausklang des Messetages mich mit Thomas Gottschalk ablichtete, freut mich nicht nur deshalb, weil ich Gottschalks Autobiographie "Herbstblond" auf "Buch, Kultur und Lifestyle" demnächst rezensieren möchte, sondern auch-  und hier schließt sich der Kreis-  ich Thomas Gottschalk in ganz besonderer Erinnerung habe als den Mann, der auf Reich-Ranickis Trauerfeier am meisten Herz zeigte. 

Hellmuth Karasek hat übrigens in seiner Sammlung "Briefe bewegen die Welt" auch einen Brief den Thomas Gottschalk an Reich-Ranicki schrieb, aufbewahrt. Diesen Brief halte ich für sehr aussagekräftig.

Der freie Geist geht in Resonanz mit Menschen, die weltoffen sind. Bemühen wir uns also weiterhin um Weltoffenheit.

Helga König

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